Maschinen im moralischen Dilemma

Über kurz oder lang werden Maschinen immer mehr schwere Entscheidungen treffen müssen – eventuell auch die schwerste der Welt: Wer darf leben und wer nicht.

Maschinen haben den Status längst hinter sich gelassen, bloss stur vorgegebene Aufgaben zu erfüllen. Sie kommunizieren miteinander, lernen, bekommen immer neue Tricks beigebracht, greifen uns in immer neuen Bereichen des Lebens unter die Arme. Und das vollkommen eigenständig. Das vermutlich grösste Thema: selbstfahrende Autos.

Dabei liegt der grösste Vorteil dieser Entwicklung gar nicht zwingend darin, dass wir dann mehr Zeit für andere Dinge haben. Es ist viel eher, dass der „Faktor Mensch“ in puncto Sicherheit aus der Gleichung genommen wird. Streng objektiv und auf maximale Sicherheit bedacht agierend würden sich Unfälle durch Computer am Steuer stark reduzieren. Dennoch: Unvorhergesehene Ereignisse können nie ausgeschlossen werden – auch wenn immer ausgereiftere Sensoren, immer stärker miteinander kommunizierende Sicherheitsmechanismen und immer besser vernetzte Strassennetze das Risiko mehr und mehr reduzieren. Vor einem plötzlichen, technischen Versagen ist man nie gefeit. Und dann gilt es schwere Entscheidungen zu treffen. Solche über Leben und Tod.

Nun stellt „The Moral Machine“ – eine Homepage ins Leben gerufen vom Massachusetts Institute of Technology – uns Menschen genau vor diese eigentlich unmöglich zu beantwortenden Fragen: Welches Leben ist „mehr wert“, das eines jungen, oder eines alten Menschen? Eines Verbrechers auf der Flucht oder eines Tieres? Das von vier Obdachlosen oder einer schwangeren Ärztin? Niemand wünscht sich, einmal eine solche Entscheidung treffen zu müssen, und doch könnte es passieren, dass einmal eine Maschine das „geringere Übel“ wählen muss. Einstweilen tuen wir es – und glücklicherweise nur im Rahmen dieses Experiments, bei dem in Folge alle Antworten gespeichert, ausgewertet und zur allgemeinen Analyse zur Verfügung gestellt werden. Das Ziel dieser gross angelegten Datensammlung ist einfach: Die Webseite soll die Diskussion über das Thema Ethik von Maschinen weiter vertiefen.

So hilft Big Data schon heute nicht nur dabei, bestehende Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln oder gänzlich neue und innovative Ansätze für das eigene Business zu finden, sondern auch den Weg für die grundsätzliche, weitere digitale Transformation unserer Gesellschaft zu ebnen.

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