Kann man den IQ einer Stadt messen?

 

Städte werden schlau, “smart”. Aber wie smart ist eine Stadt wirklich? Was braucht es, um die intelligenten Angebote einer Stadtverwaltung an den Bürger bzw. die Bürgerin zu bringen? Viele reden davon, dass „E-Government“ zum „H-Government“ werden muss. Aber was heißt das?

Ich durfte am diesjährigen Major Cities of Europe Event in Hamburg sprechen und die Lösungen von EMC und unserem Partner Bechtle AG im Bereich Smart Cities präsentieren. In diesem Blog geht’s also um clevere Städte, intelligente (und weniger intelligente) Stadtväter, sexy Ideen und auch darum, wie die IT als Basis für die Stadt der Zukunft eine Schlüsselposition einnimmt.

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Hamburg ist für viele die Stadt in Deutschland mit dem meisten Charme. Da ist einmal der riesige Hafen: nach Rotterdam der wichtigste Umschlagplatz für Güter aller Art in Europa. Immerhin rund 10 Mio TEU (20-Fuß-Standardcontainer) werden hier pro Jahr umgeschlagen. (In Shanghai sind es übrigens über 3-mal so viele.)

Dann ist da natürlich der besondere Platz Hamburgs in der Medien- und Verlagsszene. Hier reihen sich die ganz großen Verlage und Zeitungshäuser aneinander. Mehr als 70000 Menschen arbeiten hier mit und für Medien. Nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Leute in dieser Branche an einem bestimmten Ort.

Und – zu guter Letzt – darf man auch das immense Freizeit- und Vergnügungsangebot der Hansestadt nicht außer Acht lassen. Restaurants, Musicals, Theater und auch die Reeperbahn.

Der Hafen Hamburg: Nr.2 in Europa
Der Hafen Hamburg: Nr.2 in Europa

Und vielleicht gerade deswegen, weil diese Stadt so ein erfrischender Mix aus alt und neu, aus Wirtschaft und Vergnügen, aus Europa und dem Rest der Welt ist, hat sich die ICT User Group der Major Cities of Europe Anfang Juni dieses Jahres hier getroffen.

3 Tage an geballtem Programm für alle, die die Best Practices im Bereich Smart City und E-Gouvernement von denen präsentiert bekommen wollen, die sie täglich leben: IT Verantwortliche von den großen Metropolen in Europa!

Vom e- Government zum h-Government

Eines der großen Themen unter den knapp 300 Teilnehmern aus ganz Europa war dieses Jahr dem „Hybrid Government“ gewidmet. Die Herausforderungen von Stadtverwaltungen ähneln hier ganz eindeutig denen von Wirtschaftsunternehmen: Wie kann man einerseits seine Kunden bzw. Bürger und anderseits seine Dienstleistung via möglichst vieler verschiedener Kanäle betreuen und betreiben?

Eine Studie der UN hat zu Tage gebracht, dass ca. die Hälfte der Bürger in der EU (46%) online gehen, um sich einen Job zu suchen, ihre Steuererklärung abzugeben, oder um mit ihrer Stadtverwaltung in Kontakt zu treten. Aber das bedeutet auch, dass 54% das nicht tun.

Manager der Smart-City sind also angehalten „hybride“ Kanäle anzubieten, um ihre Services so gut wie möglich an die Bürgerin zu bringen. Wie Beispiele von amerikanischen Städten zeigen, ist das Telefon noch immer eines der beliebtesten Kommunikationsmittel, wenn es darum geht, mit seiner Stadt(Verwaltung) in Verbindung zu treten. Auch wenn das Telefon nicht immer als Eckpunkt eines modernen eGovernment gesehen wurde und wird.

Im Betrieb von IT Anlagen – also im Bereich des Betriebs von eGovernment und Smart City auf IT Infrastrukturebene ist die Aufgabenstellung ähnlich: wie kann eine öffentliche Verwaltung einerseits IT kostengünstig und effektive betreiben (schließlich wird hier Steuergeld verwendet) und andererseits die Sicherheit der gesammelten Daten garantieren? EMC hat hier schon seit geraumer Zeit die „Federation Hybrid Cloud“ als geeignete Lösung am Start. Es geht hier vor allem um den optimalen Mix zwischen on-Site und off-Site Betrieb, zwischen Private und Public Cloud sowie der darüber liegenden Management Plattform. Eine Hybrid Cloud Lösung in 28 Tagen? Bitte sehr…

Open Data – Macht doch was Ihr wollt!

Viele Städte dieser Welt – vielleicht sogar alle – kämpfen mit demselben Problem: die Kassen sind leer, die Bürger werden fordernder und die hauseigene IT Mannschaft kann das wachsende Arbeitspensum immer schwerer erfüllen.

Aus dieser Not haben viele Städte eine Tugend gemacht. Das Zauberwort: Open-Data!

Die Stadtverwaltungen stellen Daten gratis und ohne Einschränkungen auf ihren Portalen zur Verfügung und hoffen, dass innovative Unternehmen, Start-Ups und Einzelpersonen diese nutzen, um Apps für die Smart City zu entwickeln. Beispiele gefällig? Hier der Datenkatalog der Stadt Wien. Nicht weniger als 271 Datenpakete und Streams in verschiedenen Formaten sind hier abrufbar. Von Echt-Zeit-Daten der Wiener Linien bis hin zur Wasserqualität der natürlichen Badestellen in Wien. Es gibt Daten in rauen Mengen mit APIs, XML Formaten und – natürlich – in Excel.

Wie kann man diese Daten nun zum Wohle der Bürger verwenden? Nun, der Big Data und Data Analytics Arm der EMC Federation „Pivotal“ hat es in einem Open Data Projekt für die Stadt London vorgezeigt. Auf dieser Website kann man ein Demo sehen, das die voraussichtliche Länge von Verkehrsstaus und Unterbrechungen voraussagt. All dies mit Hilfe von Open Data der Stadt London  (welche Ihnen – falls der Stau mal doch länger dauert – unter anderem auch die Lokationen aller öffentlicher Toiletten als Dataset anbietet) bzw. mit Wetterinformationen von Weather Underground. Sicher hilfreich für den nächsten London-Urlaub.

Best-Practices für Smart Cities – 80.000 Bäume Geo-tagged in Florenz

Wie eingangs erwähnt, lebt die MCE Konferenz von den Fallbeispielen der einzelnen Städte. Hier bleibt vor allem die Stadt Florenz in Erinnerung. Mit ca. 370.000 Einwohnern etwas größer als Graz und ein klarer Vorreiter in Sachen Smart Cities. Neben der Tatsache, dass die Stadt ihren Bürgern und Besuchern fast 1500 gratis WiFi Hotspots bietet, hat sie auch eine Top-Position im Bereich Open-Data eingenommen: Sie wollen wissen, welche Art von Bäumen sich in welchem Park in Florenz befinden? Kein Problem! Die Stadt hat nicht weniger als 80.000 Bäume mit einem Geo-Tag versehen und mit den dementsprechenden Daten verlinkt. Mehr dazu in dieser Präsentation.

Natürlich gibt es auch Beispiele von Städten, welche sich im Reifegrad noch etwas hinter der Topgruppe befinden. Das hängt manchmal mit eingeschränkten finanziellen Mitteln im IT Bereich zusammen, viel öfter aber mit den Grenzen, die Stadtväter und Verwalter in ihren eigenen Köpfen ziehen. Wie sonst könnte es sein, dass sich zum Beispiel eine bestimmte Stadt in Europa folgendes Ziel gibt: Jede Bürgeranfrage aus einer bestimmten App wird innerhalb von 12 (!) Werktagen beantwortet. Wirklich? Mehr als 2 Wochen, um auf eine Bürgeranfrage zu antworten? Die Begeisterung bei den Bürgen wird sich für solche Apps dementsprechend in Grenzen halten…

Müssen Smart City Angebote „sexy“ sein?

Abschließend noch eine interessante Beobachtung aus einer von mehreren Podiumsdiskussionen: Die Fragestellung lautete, wie attraktiv die hybriden Kanäle einer Smart City (Apps, Portale, etc.) sein müssen. Hier gab es die – durchaus hinterfragenswerte – Meinung, dass diese Services „sowieso von den Bürgern genutzt werden müssen“ und Städte „keine Unternehmen“ seien. Daher muss eine Smart City App auch nicht „sexy“ sein.

Idealer Platz für die „Major Cities of Europe“ Konferenz 2015 – Hansestadt Hamburg
Idealer Platz für die „Major Cities of Europe“ Konferenz 2015 – Hansestadt Hamburg

Besonders wir als IT Entscheidungsträger- und Anbieter sollten aber einen höheren Anspruch (an uns selbst) stellen: Natürlich sind Städte keine Unternehmen, natürlich sind sie nicht auf Gewinn ausgerichtet. Aber: mit einer gut ausgerichteten IT Strategie kann die Stadtverwaltung Bürgerströme leiten. Will ich, dass die Bürger ihre Eingaben persönlich, per Papier oder via e-Form machen? Will ich meine Mitarbeiter in der Verwaltung für Back-Office Tätigkeiten oder tatsächlichen Bürgerservice einsetzen UND: Will ich meine Stadt als Innovationsmittelpunkt und Schmelztiegel präsentieren, in der sich meine Bürger wohlfühlen und kreativ am urbanen Leben teilnehmen?

Mit IT Infrastruktur von EMC, den Spezialisten von Pivotal, wenn es um Big Data Analytics geht, und mit Security Spezialisten von RSA, um die gesammelten Daten auch zu schützen, wollen wir Städten und Kommunen gerne helfen, diese Fragen zu beantworten.

Bleibt natürlich noch die offene Frage bezüglich des IQs einer Stadt…? Nun ja, schwer zu beantworten, aber vielleicht könnte man sich an den Versuch machen folgende Formel zu verwenden um diesen zu berechnen:

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Ich freue mich über Anregungen, Kritik und regen Meinungsaustausch!

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