Forever Young! Oder: Warum IT Jobs glücklich machen

Unter den Top 10 der europäischen “Great Place to Work” Studie 2014 sind nicht weniger als 5 Unternehmen aus der IT-Branche. Darunter die zwei besten. Die Sparte der (amerikanischen) Technologieunternehmen hat aber nicht immer so gut abgeschnitten.
Zeit für mich, Klartext zu sprechen. 

Forever Young

Der Kulturschock hätte größer nicht sein können: Im Jahr 1997 habe ich bei einem traditionellen, österreichischen Unternehmen (einer Bank) in Wien gekündigt und bin in die Filiale eines amerikanischen IT Konzerns nach Dublin, Irland übersiedelt.

Ich war 21 Jahre alt und für mich hat sich eine neue Welt aufgetan: Beim kleinen, aber feinen rot-weiß-roten Finanzunternehmen war es an der Tagesordnung, dass sich Abteilungsleiter und Direktoren weigerten, ihre E-Mails am Bildschirm zu lesen und von ihren Assistentinnen (Binnen-I erübrigt sich in diesem Fall) verlangten, jedes einzelne Mail auszudrucken und in Form einer Mappe vorzulegen.

Da wehte auf der grünen Insel ein anderer Wind: Breitbandinternet an jedem Arbeitsplatz, auch das Fax war digital in Form von Software integriert und sogar Laptops hat es schon für die meisten Mitarbeiter gegeben. Für junge Blog-LeserInnen mag das komisch klingen, doch Ende der 1990er Jahre war ein Arbeitsplatz wie oben beschrieben nicht die Regel.

Konzern oder Religionsgemeinschaft?

Was mich endgültig an den neuen Arbeitgeber gebunden hat, war die Feier- und Anerkennungskultur. Gleich in der ersten Woche gab es einen beachtlichen internen Event, bei dem jene Kollegen auf die große Bühne geholt worden sind, die bestimmte Zertifizierungen und Schulungen erfolgreich absolviert hatten. Live-Musik, nettes Buffet und T-Shirts inklusive.

Und in diesem Ton ging es weiter: Der Leistungsdruck war enorm, die Anerkennung und Incentives aber ebenso. Kritisch betrachtet hätte man fast religiöse Züge in der Unternehmenskultur erkennen können.

Dadurch entstand ein ungemein tolles Zusammenhörigkeitsgefühl. Kollegen und Kolleginnen arbeiteten gemeinsam für eine tolle Vision und wurden dementsprechend honoriert.

Jetzt – fast 20 Jahre später – bin ich noch immer in der gleichen Branche. Die Zeiten haben sich geändert und Milch und Honig fließen deutlich sparsamer als in der Goldenen Ära.

Und trotzdem: Darf man den diversen Umfragen und Rankings trauen, sind die Mitarbeiter in den IT Jobs noch immer unter den glücklichsten der gesamten Arbeitswelt.

Warum?

Grundsätzlich muss man einmal mit dem Vorurteil aufräumen, dass (gut ausgebildete) Mitarbeiter Hochleistungskultur nicht mögen. Im Gegenteil: Fast jeder misst sich gerne mit anderen, jeder ist stolz darauf, ein (hoch)gestecktes Ziel erreicht oder ein Projekt erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Besonders im technischen Presales und Sales sind die Incentives gut und damit auch Motivation groß, die hochgesteckten Ziele zu erreichen und wenn möglich zu übertreffen.

Warum aber ist das so wichtig? Kaum eine andere Branche befindet sich im gleichen Umbruch, wie die IT. Von den allgegenwärtigen Veränderungen im Internet-Verhalten, bei Social Media Plattformen bis zur neuen Art, IT zu konsumieren (Cloud und Hybrid-Cloud Konzepte).

Für junge Mitarbeiter ist es normal, mit jedem Gerät immer und überall mit dem Firmennetzwerk verbunden zu sein. Es ist üblich, dass Ressourcen in einem äußerst schnellen Zeitrahmen zur Verfügung gestellt werden müssen.

Gleichzeitig mobil und loyal?

Arbeitskräfte sind sehr mobil geworden. D.h. Loyalität zum Arbeitgeber ist zwar vorhanden. Die Idee, dass jemand sein ganzes Leben für eine Firma arbeitet, ist nicht mehr in den Köpfen der neuen Generation verankert.

Wenn wir von der Mobilität der Arbeitnehmer sprechen, dann müssen und dürfen wir auch von der Mobilität der Arbeit sprechen. Für viele Unternehmen in der Branche – auch für EMC – haben sich in den letzten Jahren und Jahrzenten Prozesse entwickelt, die es ermöglichen, gewisse Arbeitsschritte remote durchzuführen.

Um die besten Mitarbeiter anzuwerben und zu halten, ist es wichtig, die Arbeitsabläufe ständig interessant zu halten. Wir können von den High-Potentials nicht erwarten, dass sie mit veralteten Systemen repetitive Arbeiten erledigen. Dafür gibt es automatisierte Systeme und Abteilungen.

Neben dem Effekt, dass damit unseren Technikern in den Länderorganisationen ausgesprochen gute Dienste erwiesen werden, hat sich EMC auch in unserem Operations-Center in Ägypten (wo ich einen Verantwortungsbereich über eben solche hochausgebildete Techniker habe) als einer der beliebtesten Arbeitgeber entwickelt. Besonders tolles Faktum: über 40 Prozent der Mitarbeiter in Kairo sind weiblich – und das ganz ohne vorgeschriebene Quote. Damit ist die ägyptische Organisation ein Vorreiter in Sachen „Frauen in die Technik“. Das macht stolz und ist Ansporn, um ähnliches in Westeuropa zu erreichen.

Jungbrunnen ‚Lebenslanges Lernen‘

Das sind aber nur Teile eines „Great Place to Work“. Was immer wieder als Hauptmotivator in der IT-Branche (neben Teamwork und dem guten direkten Vorgesetzten) genannt wird, ist die Chance, lebenslang zu lernen.

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Mittlerweile wird der Hauptteil des Trainings nicht mehr in Kursen oder Klassenzimmern abgehalten, sondern vielmehr in Eigenregie mit dem Konsumieren von Blogs, Videos oder Foren und User-Groups. Lernen wann ich will und wo ich will (ok, das ist jetzt gestohlen).

Das gibt Flexibilität – generiert aber auch einen gewissen Druck, ständig on-top zu bleiben. Es ist völlig normal, dass sich jemand am Abend hinsetzt und ein Video über die neueste Art von Softwareentwicklung in der Cloud ansieht. Wer hier nicht ständig am Ball bleibt, wird in spätestens ein bis zwei Jahren den Anschluss verlieren und für den Arbeitsmarkt uninteressant werden.

Genau dieser (positive) Druck ist es, der uns jung hält. Der es uns ermöglicht, neue Lösungen zu bauen, denen man vor ein paar Jahren noch das Attribut „unmöglich“ gegeben hätte. Und wenn man das Unmögliche dann doch geschafft hat, ältere Arbeitnehmer gemeinsam mit den ganz jungen, gemeinsam mit den Kollegen auf einem anderen Kontinent und gemeinsam mit dem Kunden, dann beschert das ein großes Glücksgefühl und motiviert für die nächste Herausforderung. Es hält uns „Forever Young“.

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