Big Data im Sport mit Tennislegende Thomas Muster

Anfang Juni lud EMC Austria einige wenige österreichische CIOs (Chief Information Officers) ein, um sich in kleiner Runde über Aktuelles auszutauschen und gemeinsam einen besonderen Abend zu erleben.

Die sonst sehr IT-Business orientierte Runde erhielt durch den branchenfremden Stargast des Abends neue Blickwinkel auf Themen wie IT Transformation und Big Data. Der ehemalige EMC Country Manager Martin Hammerschmid im Interview mit der zweimaligen Nr. 1 der Tennis-Weltrangliste Thomas Muster:
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Martin Hammerschmid: EMC befasst sich ja vorwiegend mit der Speicherung, Sicherung und Nutzenbringung von Daten. Nun wächst die Menge der weltweit gespeicherten Daten jährlich um den Faktor 50 so dass wir von einem sogenannten „Tsunami“ sprechen. Thomas wie sieht denn das beim erfolgreichsten Tennis-Sportler Österreichs aus? Welche Daten speicherst Du? Wie behältst Du den Überblick?

Thomas Muster: Ich kann das schwer beantworten, denn mein PC und ich sind Feinde und ich vermeide es eher, ihn zu nutzen, bevor ich noch Daten verliere oder etwas anderes anstelle. Auch mein Smartphone nutze ich eigentlich ausschließlich um zu telefonieren und sogar meine kleine Tochter ist fortgeschrittener bei diesen Themen als ich. Ich versuche im Gegenteil eher sie vom PC weg zu bekommen und ihr den Spaß am Sport schmackhaft zu machen, das ist wichtig für sie.

„Wichtig ist es immer, den nächsten Schritt im Auge zu behalten und extremen Ehrgeiz an den Tag zu legen.“

Martin Hammerschmid: Wir in der IT sprechen zunehmend von „Transformation“, was bedeutet, dass es nicht mehr ausreicht das bisher Gute einfach nur besser zu machen. Wir müssen uns neuen Denkansätzen stellen, und unsere Herangehensweisen maßgeblich verändern, damit die IT den Anforderungen im Business gerecht wird. Thomas, als ehemalige Nummer 1 der Tenniswelt, wie hast Du es geschafft über die vielen Jahre das Niveau zu steigern und zu halten. Wenn Du zurückblickst: gab es auch bei den Trainingsmethoden notwendige Transformationen?

Thomas Muster: Meine persönliche Transformation setzte sich aus vielen einzelnen Bausteinen zusammen. Es gab viele kleine Ziele, die ich eines nach dem anderen bewältigt habe. Wichtig ist es immer den nächsten Schritt im Auge zu behalten und extremen Ehrgeiz an den Tag zu legen. Die Zielstrebigkeit hat bei mir fast fanatische Ausmaße angenommen, was mich aber letztendlich zum Erfolg geführt hat. Es war ein harter steiniger Weg, aber irgendwann war ich dann Nr. 1.
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Martin Hammerschmid: Der Trend in der IT, der mit dem Datenwachstum in Verbindung steht, nennt sich Big Data. Dabei will man durch die Analyse der sowieso vorhandenen Datenberge Mehrwerte schaffen und Wettbewerbsvorteile erzielen. In deiner aktiven Karriere als Tennisspieler konntest Du gegen Tennis-Größen wie Boris Becker, Goran Ivanisevic und viele mehr gewinnen. Wie wichtig war die Analyse der Kontrahenten? Und wie sah so eine Analyse früher aus – wie wird es heute gemacht?

Thomas Muster: Natürlich habe ich meine Gegner immer genau beobachtet – in meinen Anfängen sah das so aus, dass mein Trainer Ronnie Leitgeb und ich deren Aufschläge analysiert haben und Statistiken erstellt haben, wie viel Prozent der Aufschläge in welche Richtung gehen. Mit diesen Informationen war ich am Platz besser vorbereitet. Heute sind die Analysen mit technischen Hilfsmitteln natürlich schon viel weiter: der Ballverlauf wird mittels „Hawk-Eye“ verfolgt und selbst im TV kann jeder durch spezielle Markierungen sehen, wohin der Ball genau ging.

Martin Hammerschmid: In einer IDG Umfrage unter europäischen CIOs gaben 40% an, dass Sie im nächsten Jahr einen Data Scientist einstellen wollen. Denn zur Analyse dieser Daten braucht es natürlich Leute mit speziellen Fähigkeiten. In der Formel 1 und beim Skifahren hört man immer öfter von Spezialisten die technischer Daten hochrechnen und analysieren, um die Rennergebnisse zu optimieren. Wie weit ist das beim Tennis?

Thomas Muster: Im Motorsport ist die technologische Unterstützung noch viel weiter verbreitet als beim Tennis. Die Mechaniker und Ingenieure sind mittlerweile mehr zu Daten- und IT-Profis geworden. Im Tennis ist die Analyse der Gegner zwar hilfreich aber es kann immer noch Überraschungen geben. Die Trainingstrends gehen natürlich in eine technische Richtung, aber wenn ein Sportler nervös ist oder eine Verletzung hat, kann die Technologie im entscheidenden Moment kaum etwas ausrichten. Der Mensch ist noch immer Mensch.

„Es gibt unzählige Möglichkeiten, aber wo ich es persönlich vielleicht einsetzen könnte, ist der Weinbau.“

Martin Hammerschmid: Andere Beispiele für Big Data sind Medizinforschung, Energie-Effizienz oder meteorologische Frühwarnsysteme. Wenn Du Big Data Analytics nützen könntest um etwas zu verbessern, wofür würdest Du  dich entscheiden?

Thomas Muster: Es gibt unzählige Möglichkeiten, aber wo ich es persönlich vielleicht einsetzen könnte, ist der Weinbau. Durch meine Zusammenarbeit mit dem Weingut Tement in der Südsteiermark habe ich in die Produktion gute Einblicke bekommen und dort ist ja mittlerweile auch ziemlich viel computergesteuert: Temperatur im Weinkeller, das Erhitzen der Tanks, etc. Mit den vorhandenen Daten könnte man den sowieso schon hervorragenden Wein vielleicht noch weiter optimieren …

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